Maler, Zeichner und Grafiker

1951-1998

Kontaktadresse:

Susanne Weichberger

Bahnhof Straße
27726 Worpswede

Telefon +49 4792 7428

E-Mail s.weichberger@gmx.de

Vita

1951 in Bremen geboren
1971 bis 1978 Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin Prof. Bergmann
ab 1978 freischaffender Künstler

Auszeichnungen

1989 Förderkreis Kultur des Landkreises Osterholz

Ausstellungen(Auswahl)

1977 Galerie Laves, Worpswede
1979 Galerie Laves, Worpswede
1979 Galerie "DIE INSEL", Staufen
1982 Galerie Kleber, Berlin
1982 Galerie Steinrötter, Münster
1983 Galerie Laves, Worpswede
1984 Galerie Laves, Worpswede
1985 Galerie "DIE INSEL", Staufen
1987 Galerie Worpswede, Bonn
1989 Galerie Steinrötter, Münster
1989 Neue Worpsweder Galerie, Worpswede
1990 Galerie Bollhagen, Worpswede
1992 Große Kunstschau, Worpswede

Tobias Weichberger gehört zu den herausragenden Künstlern Worpswedes in den letzten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Er war Zeichner, Graphiker und Maler. Zahlreiche Einzelausstellungen u.a. in Berlin, Bonn, Hamburg, Münster, Oldenburg und Worpswede machten ihn bekannt. 1989 erhielt er den Förderpreis Kultur des Landkreises Osterholz. In den Jahren 1989 – 1990 entstanden großformatige Aktbilder, oft als Diptychon gestaltet, die der Künstler „Meine Madames“ nannte.

Es sind Einzel- oder Doppelakte in der Farbe des benutzten hellbraunen Packpapiers mit sparsam uns sicher gesetzten Pinselstrichen für die Körperkonturen. Der Hintergrund ist ein Schwarz, in dem sich immer eine in zurückhaltendem Rot gestaltete Zahl aus drei Ziffern findet. Einige Madames wurden mit Accessoires versehen: weiße Leibchen, eine rote Blume, ein Handtuch. Über der ganzen Bildkomposition liegt eine mehrphasige, durchsichtige Leimschicht. So entsteht durch Wellungen des Papiers eine lebendige Oberfläche der nackten Körper. Die Bilder erinnern entfernt an Gauguin, sie sind genuin Tobias Weichberger.

Der Künstler hat diesen Zyklus „Meine Madames“ mit 33 oder 34 Gemälden abgeschlossen. Der Verbleib von 26 Werken konnte geklärt werden. Davon werden erstmals 20 Madames gleichzeitig in einer Ausstellung präsentiert. Eine Augen– und Herzensweide für alle Freunde von Tobias Weichberger und alle Neu – Entdecker dieses Worpsweder Künstlers.

Anlässlich einer Ausstellung 2004 in der Galerie Ruhländer, Worpswede

Rätselhafte „Madames“

Ihre Augen sind geschlossen, das Gesicht eingerahmt von langen schwarzen Haaren, der Mund rot und sinnlich. Gerade scheint sie sich aus der Umarmung des Mannes gelöst zu haben, der neben ihr liegt. Die dunkelhäutige Schönheit, von der hier die Rede ist, gehört zu der Bilderserie „Meine Madames“ des 1998 verstorbenen Worpsweder Künstlers Tobias Weichberger. Die Worpsweder Galerie Ruländer zeigt eine umfassende Ausstellung dieser Werkgruppe.

Etwa 40 der meist großformatigen „Madames“ hat Weichberger gemalt. Ein beachtlicher Teil dieser Arbeiten ist durch die Unterstützung diverser Leihgeber und nach langwierigen Recherchen des Worpsweder Arztes Knut Bortfeld jetzt zu sehen. Der Zeichner, Radierer und Maler Tobias Weichberger der 1951 in Bremen geboren wurde und zunächst in seiner Heimatstadt und später in Berlin studierte kam 1980 nach Worpswede, wo er schon seine Kindheit verbracht hatte.

Seine Ausstellungen fanden unter anderem in Berlin, Hamburg, Bonn und Münster Beachtung. 1989 erhielt er für die „Madames“ den Förderpreis Kultur des Landkreises Osterholz. Vielseitig zeigte sich der Künstler, der zunächst fotorealistisch mit Acryl arbeitete, sehr feine Zeichnungen schuf, sich aber auch der Abstraktion näherte. Die „Madames“ nun entstanden in der Zeit zwischen 1989 und 1990 in einer ganz eigenen Technik.

Die nackten Schönen von Tobias Weichberger, die Assoziationen an japanische Holzschnitte wecken, präsentieren sich liegend, drehen uns den Rücken zu oder lassen sich bei der Körperpflege beobachten. Manchmal haben sie ein Accessoire wie ein Handtuch, einen Schwamm oder eine Blume in den Händen. Die Grundlage für die Arbeiten ist Packpapier, das auf Holz fixiert wurde. Darauf zeichnete Weichberger die Konturen seiner Figuren flächig mit einem Kohlestift in großzügigem Schwung. Der Hintergrund – manchmal dezent mit Mustern wie Fantasieblumen und Streichhölzern gestaltet – entstand ebenso wie die Haare mit schwarzen Pinselstrichen. In dem Schwarz des Hintergrundes leuchtet an einer Stelle des Bildes eine dreiziffrige Zahl, die mit weißer und roter Kreide aufgebracht wurde und den Bildern den Titel gibt. Weitere rote Akzente entstehen etwa durch die Farbe der Lippen. Durch den Auftrag einer lackartigen Firniss wurde der Braunton des Papiers intensiver. Gleichzeitig ergibt die Trocknung des Bildes eine charakte istische Wellung der Bildfläche. Manchmal sind die „Madames“ als zweiteiliges Bild, als Diptychon gestaltet, meist sind es dann zwei Frauen, seltener Mann und Frau. Von diesen Arbeiten geht eine subtile erotische Ausstrahlung aus, die im Zusammenwirken mit der Technik die Faszination der Bilder ausmacht.

Donata Holz 15.Mai 2004

Die Lust am Fragment ist eigentlich nicht seine, Tobias Weichbergers, Sache. Es ist eher eine den Gegenständen innewohnende Eigenschaft, die der Zeichner erkennt, die ihn beschäftigt und die er aufzeichnen muss. In genauen, sehr präzisen Strichen macht Weichberger den Stuhl fest, der „sich aufgeben will“. Obwohl er nichts hineingeheimnist; das braucht er nicht, meistens tun das die Benutzer des Stuhles oder des Waschbeckens selbst.

Der Gegenstand nimmt es an und der Zeichner gibt es wieder. Aber gleichzeitig ist der Maler wiederum ein mit großer Exaktheit arbeitender, der zwei verschiedene Stühle aus zwei verschiedenen Epochen nebeneinander stellt, in farbigem Licht malt, wieder abwischt und neu beginnt, bis sich der Stuhl „hergestellt“ hat, da steht, lebt; aber nicht allein als Gegenstand.

Hinter dem Stuhl auf dem Vorhang steht in steilen englischen Buchstaben der Name „Wencke“. Blättert ab, sagt an, wer eventuell auf diesem Stuhl gesessen hat. Und die völlig vereinsamte Existenz dieser beiden, verbrauchten, in ihren Gelenken auseinanderbrechenden und doch so nützlichen Gegenständen ist da auf der Leinwand: Endstation von vielleicht zwanzig oder dreißig Skizzen; schnell und schön hingezeichnet, aber nicht routiniert. Die Stühle stehen dort als perfektes Ergebnis. Vorher hat aber der Handwerker lange leimen müssen, Proben angefertigt, Maß genommen mit seinem Zollstock. Tobias Weichberger guckt hin, er baut nach Augenmaß, ohne einen Zollstock zu benutzen. Das fertige und auch das Modell, die Skizze, sind nachzumessen, sie stimmen.

Es gibt ein Bild von ihm, das eine Treppe zeigt. Treppen sind meist mühselig zu besteigende Einrichtungen. Sie strengen an, wenn man beladen ist. Sie werden achtlos begangen. Sie machen Herzklopfen, wenn man sie, bepackt mit Taschen und Koffern, betritt, um im vierten Stock irgendwo an einer Tür zu klingeln, die sich öffnet oder nicht öffnet.

Mit welcher Akribie er die abgewetzten Stufen und diese gerade Berliner Treppen eigentümliche Dunkelheit malt, das ist erstaunlich perfekt und gleichzeitig genau das Gegenteil davon.

Der Maler, Zeichner und Radierer ist nicht nur ein perfekter Techniker, das würde die gebrauchten Gegenstände, die er malt, zeichnet, auch gar nicht vertragen. Sie würden sich verweigern, und nicht anderes wäre auf der Leinwand zu sehen, wie schon ein oft gehabter „Alter Stuhl“ (nachgemacht). Er schaut detailliert hin, vergißt dabei auch nicht, was viele Sachen haben: Jenes Groteske, das sich herstellt oft schon durch den Ort, wo etwas steht und dem Lichtwinkel, dem es ausgesetzt ist.

Das diffuse Licht und die fragmentarischen Schatten Weichbergers, die zu sehen sind auf seinen feinen Bleistiftzeichnungen, machen Lust. Sie machen mir Lust aufs Fragment, aufs Provisorische. Sie machen mir auch Angst. Ich möchte sie gern benutzt sehen, bewohnt wissen. Das herausgerissene Telefonkabel macht mir die Empfindlichkeit klar, dies dünne Band, das mich mit dem verbindet, den ich gern mag, mit dem ich etwas zu tun habe, der mich interessiert. Das Telefonkabel ist auf einer seiner vielen Zeichnungen zu sehen, in seinem Atelier.

Weichberger hat in Berlin studiert und da auch seinen Meisterschüler gemacht. Er kommt aus der Schule der Photorealisten, hat das, was in New York gemacht wurde, hier in der Bundesrepublik Deutschland, wo es oft eigentlich nur Varianten gab auf das Vorhergedachte und Gemalte, weiter entwickelt. Bei ihm kommt dazu die Groteske und das Absurde, die sich verwickeln lassen in den Gegenstand: das Waschbecken hat Durst, es hat zu lange niemand im Zimmer gewohnt, in dem es steht, es möchte auf seinen gezeichneten drei beinen fortgehen und sich eine Frau auf der Straße suchen, die sich wieder darin wäscht, die Wasser hineinfüllt und es auch wieder ausleert.

Die Drehstühle bekommen das Bedürfnis, wegzulaufen, das Telefonkabel möchte wieder angeschlossen, die Tür mit dem Licht dahinter aufgemacht werden. Mir fällt zu diesem Maler ziemlich viel ein und auf., dass er seine Technik gelernt hat. Er kennt die Materialien, mit denen er umgeht. Aber wiederum auch nicht so genau, dass sie nicht auch mit ihm umgehen und sich als Farbe, als Strich, als Geätztes auf der Radierpresse auf den Weg machen, den Maler in Erstaunen versetzten. Und der wiederum uns.

Johannes Schenk 1977, Rom