Fotograf

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Vita

Jürgen Kampa war nach dem Abitur und Studium als Lehrer in Thedinghausen und Grasberg tätig. Nach ersten Arbeiten in der Sport- und Street Photography und Workshops bei namhaften Fotografen widmete er sich überwiegend der Porträt- und Aktfotografie. Später kam die Landschaftsfotografie dazu. Fotografische Vorbilder für ihn waren dabei Arnold Newman (Porträtfotografie) sowie Helmut Newton (Aktfotografie).

Wegweisend in der Landschaftsfotografie der letzten Jahre waren für ihn Anselm Adams sowie Mitch Dobrowner, der ihn zu seinen Fotos über Stürme und Wolkengewalten inspirierte. Seit 2015 befasst er sich wieder verstärkt mit der Porträt- und Aktfotografie. In seinen Aktinszenierungen erzählt er wenn möglich Geschichten oder er verbindet in neueren Arbeiten die Gemälde Alter Meister mit modernen Aktdarstellungen.

Konsequent inszeniert Jürgen Kampa seit vielen Jahren Künstlerporträts. So arbeitet er zum Beispiel seit längerem an einer Porträt Serie mit der in Bremen wohnhaften persischen Künstlerin Maryam Motallebzadeh zum Thema ´Zwischen den Kulturen`.

Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

1989-1990 Künstlerporträts in Worpswede, Rotenburg/Wümme und Bremen
1991 Aktfotografien in Kleve, Hannover und Lilienthal
1992 Bodyb(u)ilder, Aktfotografien und Künstlerporträts in Bremen
1993 Fotografien ( Akt und Porträt) im Kultusministerium Hannover
1994 Photographische Bilder aus Norddeutschland ( Greifswald )
1995 Photographische Bilder aus Norddeutschland ( Worpswede )
1996 Gruppenausstellung "EROTISCHES" in Lilienthal
2003 Körper – Thedinghausen Kunsttage
2012 Augenblicke – Künstlerportäts bei den Thedighauser Kunsttagen
2013 Drei im Kontrast – One ( mit Nadja Horn und Raissa Gildemeister ) in Worpswede
2014 Land.schafft.Fotografie in Worpswede
2016 Lokale Fotografie an lokalen Orten während der RAW 2016 - Künstlerporträts
2017 Open-Air-Ausstellung während der RAW 2017 - Landschaft

„Der mit der Maus malt“

Jürgen Kampa: Im ersten Schritt finde ich ein Bild, im zweiten erfinde ich es. Wann ist ein Foto ein gutes Foto oder wann ist ein Bild ein gutes Bild? Das wollen wir hier nicht beantworten. Auch nicht die Frage, wann ein Fotograf ein guter Fotograf ist. Eher schon die, die danach fragt, wann der Fotobildner zum Fotokünstler geworden ist. Ein Goto ist zunächst einmal ein Ab-Bild, ein durch die Ab-Sicht des Fotografen, durch Sucher und Linse festgelegter Ab-Schnitt von der Wirklichkeit, x-beliebig reproduzierbar.

Bei Jürgen Kampa ist es mehr. Seit den ersten fotografischen und chemischen Experimenten mit der Camera obscura vor rund 200 und konkreten Ergebnissen seit genau 175 Jahren waren Fotografen in der Dunkelkammer damit beschäftigt, das Beste aus der Aufnahme herauszuholen. Momente festzuhalten war nicht genug. Sie mussten perfektioniert, retuschiert, dramatisiert, koloriert, solarisiert kurzum manipuliert werden.

Spätestens mit der Digitalisierung und den Möglichkeiten der Bildbearbeitung am Monitor hat das Foto endgültig seine Unschuld verloren. Spiegelt es noch die Realität? Hat es das jemals getan? Ist nicht immer schon der gewählte Bildausschnitt gleichzeitig auch Ausblendung, das heiüot Reduzierung und somit Verzerrung von Wirklichkeit und gar Wahrhaftigkeit gewesen? Von authentischer Dokumentation mag man längst nur noch mit starken Einschränkungen sprechen. Leider. Anders bei Jürgen Kampa.

Geht es ihm in seinen Lichtbildern überhaupt um die schnörkellose Abbildung des Gesehenen? Ja, unbedingt. Jedenfalls solange der Motive „sammelt“. Der Jäger und Sammler fängt ganz subjektiv durchs Objektiv vieles auf Vorrat ein, um es irgendwann irgendwo einmal zu verwenden. Sei es als Hintergrund oder Hauptmotiv bei seinem späteren Spiel mit den Bildelementen. Der Rohstoff für seine künstlerische Arbeit besteht aus einer Materialsammlung von zigtausenden Fotodateien, systematisch geordnet und in verschiedenen Bearbeitungsgraden zu Serien zusammengestellt.

Sein digitales Fotolabor ist schon längst ein fast zu heller Arbeitsplatz mit großzügigem Bildschirm, ohne Rotlicht, Vergrößerungsgerät, Entwickler-, Fixier- und Wässerungswannen, ohne Trockenschrank oder Fotopresse. Während er vor zwanzig Jahren in gut einem Quadratmeter Abstellraum laborierte und experimentierte und die Resultate auf dem kompletten Wohnzimmerfußboden zum Trocknen ausbreitete, haben sich die Flächen inzwischen verlagert. Das angebaute multifunktionale Studio misst 4 x 4 Meter, den PC-Arbeitsplatz kann sich jeder vorstellen. Speicherplatz spielt heute keine Rolle mehr und das Wohnzimmer wurde zur Freude von Ehefrau Angelika seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben.

Bei der Belegung der Wandflächen hat jedoch die talentierte Lehrerin i.R. sich für ihre Acrylbilder das größere Territorium gesichert. Jürgen Kampa trägt es mit Fassung. Neben 43 Künstlerportraits in einem zum 100jährigen Bestehen der Künstlerkolonie Worpswede vor 23 Jahren in Fischerhude herausgegebenen Band mit deutlichem Akzent auf zeitgenössischen Kunstschaffenden, kann er auf eine stattliche Anzahl von Ausstellungen verweisen. Deren Exponate hätten die überschaubaren Wände ihres lichtdurchfluteten Worpsweder Hauses sowieso gesprengt.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen, „Die ersten Aufnahmen seit Jahren der Pause“ erinnert er sich, „habe ich als Junglehrer mit meiner Konfirmationskamera auf einer Studienreise in London gemacht.“ Und es war nicht so sehr künstlerisches Interesse des studierten Kunst und Englischlehrers, sondern eher der Wunsch Erinnerungen festzuhalten. Fotografie war noch nicht einmal Bestandteil des Kunststudiums gewesen, das der in Helmstedt geborene junge Mann in Braunschweig absolvierte. Und dort hätte er auch gern den Schuldienst angetreten.

Was war dagegen Thedinghausen! Dahin hatte ihn seine erste Lehrerstelle geweht. Nein, nichts gegen den kleinen Ort bei Achim, der seltsamerweise zum Regierungsbezirk Braunschweig gehörte. Aber als Englischlehrer gab es gute Gründe öfters mal den Kanal zu überqueren. London hatte ihn gepackt. Da lauerten an jeder Straßenecke Motive ohne Ende. Und nun? Zu Hause traf er einen früheren Studienkollegen wieder, der ihn in einen Fotoclub lockte. Da fand er Gedankenaustausch, Laborplätze, Anregungen, Feedback und die Motivation, sich auch an Workshops von Kameraherstellern zu beteiligen.

Und immer wieder (Reisen) nach London, England sowieso, in die Highlands mit ihrer herben Schönheit. Neben der pulsierenden City entstehen Landschaftsbilder. Neben der Lehrtätigkeit gründet er einen Karateverein. „Kampfsport?“ – „Ach“, winkt der Träger des schwarzen Gürtels ab, „hier geht es um Genauigkeit, um Disziplin.“ Vielleicht auch um die eigene Körperkultur. Bilder von Bodybuildern entstehen.

Inzwischen in Worpswede angekommen und in Grasberg unterrichtend, bilden Frau und Sohn eine natürliche Konkurrenz zu dem immer stärker werdenden Hobby. Dann naht der 100ste Geburtstag des Künstlerdorfes. Anlass und Herausforderung zugleich, sich innerhalb eines Jahres mit ca. 60 zeitgenössischen Künstlern des Ortes auseinanderzusetzen. Statt klassischen Portraits oder gar Passfoto ähnlichen Ablichtungen wie in Worpsweder Künstler-Katalogen jüngeren Datums entwickelte er innerhalb eines Jahres seinen Stil der fotografischen Inszenierung.

Das sah vor zwei Jahrzehnten schon vielversprechend aus und wird heute virtuos gehandhabt. Der Kunstlehrer und Autodidakt in Sachen Fotografie wuchs an Workshops und Kursen aber vor allem an seinen (sich selbst gestellten) Aufgaben. Seine Motive platzierte er in ihrem Atelier, in der Werkstatt oder auf jeden Fall in einen unmittelbaren Bezug zu ihren Werken. Auch bedeutende Worpsweder Kollegen der Fotografie – das bestätigt und ermutigt – vertrauen ihre Kreativität der seinen an. Sie sind in ihre Arbeit vertieft oder Kampa stellt sie sogar mitten hinein. Sie machen eine „typische Handbewegung“ oder er friert einen charakteristischen (Augen-)Blick ein. Rückblickend findet er, es sei lediglich eine von vielen möglichen Sichtweisen, individuellen Betrachtungen und auch Selbstwahrnehmungen.

Insofern ist es spannend zu entdecken, wohin gut zwei dazwischen liegenden Jahrzehnten Kampa gebracht haben. Immerhin hat die praktische Fotografie ihren Einzug in seinen Kunstunterricht gefunden und der Pädagoge freut sich, dass einige seiner SchülerInnen die Fotografie als Berufslaufbahn gewählt haben. Lehrer Kampa indes hat sich sukzessive aus dem Schulbetrieb herausgenommen und lebt jetzt nur noch für seinen Zweitberuf. Wohin sowohl die abgelichteten Künstler als auch der Fotografiker sich entwickelt haben, zeigte eine große Einzelausstellung im vergangenen Jahr im Alten Rathaus Worpswede mit vielen aktuell in Worpswede Kunst Schaffenden, die sich von ihm haben portraitieren lassen.

Portraits, Künstlerportraits der erweiterten Region, Landschaften – dazu gesellten sich Körperlandschaften. Mehr weibliche, erotische, mal selbstvergessen, mal sensibel, mal sinnlich, neugierig , spöttisch aber immer von streng konstruierter Ästhetik mit penibel korrigiertem Faltenwurf und mit bis ins Detail durchdachter Ausleuchtung meist aus einer Richtung und allenfalls durch einen Aufheller unterstützt. Wie Schüler, Eltern, Arbeitgeber damals auf diese spezielle Thematik reagiert hätten? Ein kleiner Triumpf flackert aus spitzbübischen Augenwinkeln, als er davon berichtet, dass die Eröffnungsrede zur ersten Ausstellung von seiner eigenen Schulrätin gehalten worden sei. Die mit Licht modellierten Models überzeugten sogar den „Playboy“, was dem erfolgreichen Bildautor Kampa seine erste Digitalkamera, eine Olympus, samt dazugehörigem Drucker einbrachte.

Fasziniert von der neuen Technik entfloh er gern der Düsternis seiner Dunkelkammer – und vermisste nichts. Statt Essigessenz in der Nase und Kaliumpermanganat an den Fingern gestaltete er mit noch mehr Leidenschaft die Bilder in seinem Kopf mit der Maus in der Hand. Warum länger Motive montieren, wenn er, wie in der Ölmalerei lasierende, hier transparente Schichten übereinander und nach Belieben austauschen kann? So lange, bis er wirklich zufrieden ist und auch der portraitierte Künstler sich mit Kampas Sichtweise identifizieren kann. „In meinen Portraits versuche ich mich möglichst weit der Individualität der Person zu nähern“, begründet der routinierte „Photoshopper“ den komplizierten Kompositionsprozess am Bildschirm.

Dazu stellt er bei Künstlerportraits einen optischen Zusammenhang zwischen dem Künstler, dessen Umfeld und seinem Werk her. Das setzt sensible Aufmerksamkeit voraus aber auch intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Werk. In Kampas Darstellungen werden die Portraitierten zu Elementen ihrer eigenen Tätigkeit, Bestandteil ihres Bildes. Diesen idealen Grad der Verschmelzung von Maler und Modell bzw. Maler und seinem Werk erreicht der Fotokünstler Jürgen Kampa in einem „schöpferischen Prozess, der zwischen den Künstlern vor und dem Künstler hinter der Kamera stattgefunden hat.“

Aber auch dieser idealen Moment ist nur einer von vielen. „Jeder Betrachter wird es anders sehen“, meint Kampa realistisch. „Eben das ist das Anliegen meiner Fotografie, meiner oft inszenierten Geschichten in Bildern, Andeutungen zu machen, die Phantasie des Betrachters anzuregen.“ Ob in Farbe oder Schwarz-Weiß – das ist ein täglicher Kampf. Dass es aber weiterhin Menschen , vor allem Künstler sein werden, auch über Worpswede hinaus, das steht fest. Und die ewige Wolkendramatik, die sich nicht unbedingt ausschließlich über und um den Weyerberg herum auftürmen muss. Sollte Worpswede anlässlich seines bevorstehenden 125jährigen Jubiläums als Künstlerkolonie einen erneute Bestandsaufnahme herausgeben, gehört Jürgen Kampa sowohl hinter als auch vor die Kamera – mit Selbstauslöser.

Jutta-Irene Dehlwes-Grotefend über Jürgen Kampa im Sommer 2013