Bildhauer

Bauernreihe 8 b
27726 Worpswede

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Website http://fischer-worpswede.de/

Vita

1956 geboren in Mayen / Eifel
1974-1977 Dekorateurlehre in Neuwied
1977-1978 erste Ateliererfahrungen bei Bildhauer Georg Ahrens, Wabern
1978-1997 Zivildienst in Hamburg
1981-1982 Studium an der Fachhochschule für Kunst und Design, Köln, Bildhauerklasse Prof. Karl Burgeff
1982-1992 Studium an der Hochschule für Künste in Bremen, Bildhauerklasse Prof. Bernd Altenstein
1986-1992 Atelierassistenz bei Prof. Bernd Altenstein, Bremen
seit 1992 freiberuflich als Bildhauer in Worpswede

Von Reitern und Booten, hohen Mauern und dunklen Tiefen

Das Bildhaueratelier von Christoph Fischer liegt am Rande des alten Dorfkerns, mit Blick auf eine Wiese. Seit zwanzig Jahren arbeitet er hier in einer ehemaligen Scheune, die er sich mit den Kollegen Gisela Eufe und Bernd Altenstein teilt. Im Skulpturengarten der drei Bildhauer unter den hohen Eichen ist auch eine der neuesten Arbeiten Fischers zu sehen: der große Wächter mit kreisrundem Schild. Augenfällig ist, dass alle Plastiken figürlich gearbeitet sind. Was kein Zufall ist, denn Fischer studierte Anfang der 1980er Jahre an der Kunsthochschule Bremen bei Bernd Altenstein, der eine figürliche Bildhauerklasse betreute. Nach dem Studium arbeitete er dann einige Jahre als Assistent in Altensteins Bremer Atelier.
Betritt der Besucher Christoph Fischers Bildhauerwerkstatt, ziehen sie ihn sofort in ihren Bann: die Plastiken in Bronze oder in Terrakotta mit Engobe überzogen. Mit der Tierdarstellung begann der Bildhauer, doch die Motivfelder erweiterten sich schon bald. So kamen die Boote hinzu, irgendwann die Mauern und schließlich die Meerestiefen. Damit wären auch schon seine vier Werkgruppen benannt. Derzeit befinden sich auf einer Arbeitsplatte kleinformatige Terrakotta-Skulpturen aus all diesen Schaffensphasen, die schon im Rohbrand waren und auf den zweiten, den Engobebrand warten. Dieses temporäre Stillleben, das der Zufall komponierte, zeigt neben einem Uhu und Pferden einen Fisch, verschiedene Boote mit Mensch und Pferd und einige der Wächterfiguren mit rundem Schild.
Die Tierplastik sei anfänglich ein inhaltlich freies bildhauern gewesen, fast wie ein abstraktes, beschreibt der Künstler diesen Arbeitsprozess. Später habe er versucht, den Tierplastiken eine Seele einzuhauchen. Vom formalen Ansatz her arbeitete er in dieser Phase mit Reduzierungen, mit Brüchen oder Übersteigerungen. Irgendwann aber tauchte der Mensch auf, weniger als eigenständige Skulptur oder Bedeutungsträger, sondern vielmehr als gestaltendes, im weitesten Sinne als ein erzählerisches Element. Denn auch die Boote wurden in dieser Zeit ein künstlerisches Thema - und die menschliche Figur fand sich auf ihnen wieder. Mehr und mehr festigte sich das Boot-Motiv, diese uralte Metapher für die Lebensreise, für das Leben schlechthin. Aber ebenso steht es für den Abschied, für den Übergang. So sind die Boote eine wichtige Komponente im Werk Christoph Fischers geworden. Als Jahrtausende alte Symbole tragen sie bei ihm den Menschen der Moderne, verorten ihn als Einzelnen oder als Gruppe.
Das Pferd in Verbindung mit der Reiterfigur ist für ihn ein ebenso wichtiges Motiv. Doch ohne jede Anklänge an das traditionelle Reiterstandbild. Bei Fischer findet eher eine Verschmelzung von Mensch und Kreatur statt und damit gleichsam eine Zügelung der Naturkräfte, die das Pferd symbolisiert. Der Bildhauer hat das Motiv variiert, hat es als ein Element auf das Boot gesetzt oder als einzelnen Reiter mit einer Mauer verbunden, aus der es heraus zu wachsen scheint.
Als Reitergruppe findet man das Motiv auch auf der oberen, schmalen Ebene einer Mauer wieder, die seitlich als eine große Fläche erscheint und sich von links nach rechts verjüngt, so, als ob sich die Reiter oben auf einem immer schmaler werdenden Grat bewegen. Bei der Betrachtung ergibt sich ein räumliches Spiel zwischen der seitlich auffächernden Fläche und der von vorne schmal erscheinenden Silhouette der Großplastik.
Neben den hohen Mauern, die quasi in den atmosphärischen Raum hinein ragen, geht Christoph Fischer mit dem Thema „Tiefen“ in die entgegen gesetzte Richtung: in die unendlichen Räume der Meere. Diese Phänomene bildhauerisch zu lösen, stellt eine große Herausforderung dar. Dabei helfen geometrisch zusammengefügte Metallteile, die das Raumgefühl dunkler Meere zu suggerieren vermögen. Dem Menschen, der sich oberhalb der Wasserfläche in einem Boot befindet und den der Bildhauer mit sparsamer Gestik ausstattet, stellt er einen einzigen, imposanten Fisch unten in den Meerestiefen gegenüber. Mit diesem Thema stellt der Bildhauer keine Fragen, löst aber beim Betrachter Assoziationen aus. „Ich versuche das sichtbar zu machen, was man sonst nicht sehen kann. Ich versuche die Phantasie anzuregen und eine Geschichte zu erzählen."

Gudrun Scabell

Worpswede 2014