Prof. Dr. Hans J. Rath

Maler und Wissenschaftler

Kontakt:

Britta Rath
Am Emel 3
27412 Wilstedt

Telefon +49 (0) 4283 5587
Mobil +49 (0) 173 6144795

E-Mail Britta.Rath@t-online.de

Vita

geb. im Mai 1947 in Nuttlar, Westfalen
gest. im September 2012 in Wilstedt, Niedersachsen

1981/1997–2012 Professor für Technische Mechanik und Strömungslehre, Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation; Universität Bremen. Gründer und geschäftsführender Direktor des ZARM (Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravition ) und der ZARM FABmbH (Fallturm Bremen), Aufsichtsratsvorsitzender der ZARM Technik AG; Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der OHB SE

Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste

Gemeinschaftausstellungen

1966 Frankfurter Römer
1977 Galerie unter dem Klagesmarkt, Hannover
1998 Murkens Hof, Lilienthal
2001 »New Works. Neue Arbeiten«, Ausstellung gemeinsam mit Prof. Eberhard Kulenkampff, Galerie der Hochschule für Künste, Bremen
2002 Atlanta Haus, Bremen
2003 Galerie Seidemann, Modersohnweg und Richtweg, Bremen
2005 International Academy of Arts: Vallauris (Südfrankreich), Villa Lesmona, Bremen
2005 International Academy of Arts: Institut Français und Goethe-Institut, Budapest

Einzelausstellungen

1997 »Impressionen aus einem anderen Leben. Eine Historie der Zukunft« (Katalog), Galerie im Fallturm, Bremen
2001 »New Works. Neue Arbeiten«, Atlanta Haus, Bremen (Katalog)
2003 »New Worlds and Cosmic Dreams. Eine Reise durch Universen der Phantasie«, Bremer Messe und Congress Centrum, Bremen (Katalog)
2003 »New Worlds and Cosmic Dreams«, Die Sparkasse Bremen, Am Brill
2004 »Cosmic Dreams«, Roland Club, Garlstedt
2004 Ausstellung und Atelierfest »New Worlds and Cosmic Dreams. Alte deutsche Meister zeitgenössisch«, Wilstedt
2004 »Alte Deutsche Meister zeitgenössisch« und »Cosmic Dreams«, Galerie Seidemann, Bremen
2005 International Academy of Arts, Vallauris, Südfrankreich
2005 Kulturbüro der Stadt Delmenhorst, Lichthof VHS
2006 Ausstellung und Atelierfest »PICASSO und seine Frauen«, Wilstedt
2007 »Pablo Picasso – Mensch und Künstler, gesehen von Hans J. Rath«, Der Eichenhof, Worpswede
2008 Ausstellung und Atelierfest »Von Schnabelwelten bis zum Feuervogel – Universen, Mikrokosmos, Makrokosmos, Dualismus, Pluralismus …«, Wilstedt
2009 »Ausgewählte neue Arbeiten«, Bremer Logenhaus e. V.
2010 »Genesis of Universes«, Landesvertretung der Freien Hansestadt Bremen beim Bund, Berlin
2010 Galerie Birgit Waller, Villa Lesmona, Bremen
2010 »Universes and Cosmic Dreams«, Congress Centrum Bremen und Bremen Arena, Bremen
2012 »Life Comes from Space – Universes and Space-Time Journeys«, Der Eichenhof, Worpswede
2019 »Zwischen Welten«, Kunstverein Osterholz e. V., Gut Sandbeck, Osterholz-Scharmbeck

Hans J. Rath ist vielen vor allem als der Gründer des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) bekannt, als Gründer des Fallturms Bremen und als derjenige, der die großen Weltraumfahrtkongresse IAC und COSPAR erstmals nach Bremen geholt hat. Doch in seiner Brust schlugen mindestens zwei Herzen – neben dem wissenschaftlichen, das künstlerische.

Hans Rath, so signierte er seine Arbeiten, machte nach seiner Schulausbildung zunächst eine Lehre zum Stahlformenbauer, dann besuchte er die Berufsaufbauschule, absolvierte im Anschluss ein Ingenieurstudium Fachrichtung Maschinenbau/Konstruktionstechnik, arbeitete kurz bei der AEG Telefunken, ging im Anschluss an die Uni Hannover, wo er Mechanik/Strömungslehre studierte und 1976 im Alter von 29 Jahren promovierte. Bis 1981 blieb er als Hochschulassistent in Hannover, bis der Ruf an die Universität Bremen kam … Der heute immer schwieriger zu beschreitende, aber mögliche zweite Bildungsweg.

Und wo bleibt da die Kunst? Die war im Grunde immer da. Schon 1966 nahm er an einer Gruppenausstellung im Frankfurter Römer teil. Sein Studium finanzierte er sich teils durch Porträtmalerei. Darüber hinaus entstanden aber auch zeichnerische Werke, die surrealistische Einflüsse aufweisen.

Am Fallturm gründete er die – heute nicht mehr aktive – Galerie im Fallturm, die 1994 mit einer Ausstellung von Abraham David Christian eröffnet wurde. Es folgten Ausstellungen von Sam Francis, Felix Droese, Hans Rath selbst (»Impressionen aus einem anderen Leben. Eine Historie der Zukunft«) und Professor Jürgen Waller. Ein Highlight war sicherlich die Ausstellung von A. R. Penck und dessen Freund Felim Egan, die teils vor Ort ihre Kunst schufen. Der Kontakt zu Ralf Winkler blieb bis zu Hans Raths Tod bestehen.

Ohne die Beschäftigung mit der Kunst, ohne den Besuch unzähliger Kunstmuseen und Ausstellungen, ohne Reisen auf den Spuren von Künstlern, Reisen zu Stätten alter Kulturen mit anderen Weltbildern als dem christlich-abendländischen (z. B. nach China und Japan, nach Australien, nach Mexiko) und vor allem ohne eigene künstlerische Arbeit war Hans Rath kaum vorstellbar. Fast jede freie Minute, in den frühestens Morgenstunden, an Abenden, Wochenenden und während der Ferien, malte er. Zeitweise arbeitete er auch mit Ton, Steinen oder Holz. Für ihn war das künstlerische Gestalten eine innere Notwendigkeit. Er brauchte die Kunst als Ausgleich zu seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager. Er brauchte sie als Ausgleich und als Quelle der Inspiration.

Rath verband in seinem Wirken etwas, das im Grunde nahezu selbstverständlich zum Leben der Menschen dazu gehört, was unser Lebensumfeld prägt. Denn Kunst, Kultur, Forschung, Technik, Religion und Philosophie sind aus dem Leben des Menschen nicht wegzudenken. Kunstwerke gehören zu den Kulturgütern der Völker, in denen ihre geistige und geschichtliche Entwicklung Form und Ausdruck findet.

Das Spektrum seiner Arbeiten ist vielfältig. So finden sich Werkserien, in denen archaische Elemente, Elemente aus der Kultur der Maya, der australischen Aborigines, aus asiatischen Kulturen etc. eine dominante Rolle spielen. Aspekte und Themen wie Bäume, Fantasieblumen, aber auch Arbeiten nach Werken von Caspar David Friedrich und Picasso-Porträts finden sich in seinem Werk, nicht zuletzt aber spielen Themen wie Dualismus, Pluralismus, Universen, Mikro- und Makrokosmos eine große Rolle – die allgegenwärtige Frage nach dem Woher–Wohin der Menschen, der Erde, der Welt(en). Einige dieser Themenfelder und Motive ziehen sich durch sein gesamtes Werk, wurden immer wieder aufgegriffen, in anderen Materialien oder in modifizierten Kontexten bearbeitet.

Er verwendete eine Vielfalt an Materialien. Leinwand, Papier, Karton, Malpappe, Presspappe, Sperrholz und Steine dienten ihm als Malgrund, Aquarellfarbe, Tusche, Blei- und Filzstift, Ölkreide, Öl- und Acrylfarbe nutzte er für den Farbauftrag. Auch hier kombinierte er, z. B. Öl- oder Acrylfarben mit Tusche und/oder Filzstift, malte mit Aquarellfarbe (-stiften) nicht nur auf Papier, sondern auch auf Leinwand.

In der Premiereausstellung auf den Seiten dieser Website wird nur ein kleiner Ausschnitt des Schaffens von Hans Rath gezeigt; aus ausgewählten Serien einige ausgewählte Bilder. Weitere Aktualisierungen werde jedoch nicht lange auf sich warten lassen

Spiralen:

Das Motiv der Spirale zieht sich in verschiedenen Variationen durch das künstlerische Schaffen Hans Raths. Sie taucht bereits in frühen Tuschearbeiten auf, aber auch in Keramiken. Sie findet sich als ein Element in Bildern zu unterschiedlichen Themenkreisen und als eigenständiges Bildmotiv. Die Spirale ist ein wunderbares Bild für die Frage nach dem WOHER–WOHIN? Ohne Anfang und ohne Ende stellt sie eine einzigartige Geometrie dar. Je nach Betrachtungsweise führt sie den Schauenden zum Zentrum hin oder aus diesem hinaus. Die Spirale findet sich in vielfältiger Weise in der Natur, in Flora und Fauna, in Mikro- und Makrokosmos, etwa in den Spiralnebeln des Weltalls. So besteht unser Heimatuniversum aus Milliarden von Galaxien, die spiralförmige Muster aufweisen.

Cosmic Dreams (2002–03):

Zwei Arbeitsweisen – a) Acryl- (seltener Öl-)farbe pastos auf den Malgrund (Leinwand oder Malpappe) aufgetragen, mit dem Rakel gezogen und dabei – weitgehend zufällig – entstehende Strukturen und Motive anschließend mit Filzstift herausgearbeitet oder um Symbole ergänzt; b) Malfläche grundiert und dann mit Acrylfarben und/oder Filzstiften weitergestaltet. Häufig geht das Bild über den Bildrand hinaus.

Symbole wie Spiralen (s. dort), Pfeile (u. a. Wirkungszeichen und auch Symbol für die Unendlichkeit), das X (das Unbekannte) tauchen ebenso auf, wie die Bipolarität von männlich und weiblich – beide untrennbare Bestandteile einer Welt, deren Einheit aus dem Zusammenspiel der Gegensätze entsteht. Dualität und ihr immanentes Wechselspiel stehen am Urgrund und Ursprung allen zumindest menschlichen Seins.

Auch Punkte spielen eine Rolle, ein Punkt als Symbol für Einheit, zwei Punkte weisen auf die Zweiheit hin, zahlreiche auf die Vielheit. In einer anderen Werkserie tauchen Punkte gar als Punktraster auf, die wie Ströme die Räume zwischen Planeten füllen. Ein Hinweis auf diffuse, unsichtbare, aber bestehende Verbindungen, auf die Interaktion von/mit Planeten und Universen. Hier deutet sich das Chaos als Ursprung der Ordnung an – und einmal mehr die Bipolarität des Seins: Ordnung kann es nur geben, wenn es auch ihr Gegenteil, das Chaos gibt.

Dualismus–Pluralismus (Schnabelwelten; 2006–07):

Die Dualität und Pluralität wie unter Cosmic Dreams kurz umrissen, findet in den Schnabelwelten ab 2006 eine neue Darstellungsweise. Sie sind zwei Themenkomplexen zuzuordnen: dem Dualismus (Mann-Frau) oder Pluralismus an sich (s. Cosmic Dreams), dann aber auch auf der Fantasie entsprungene Lebewesen auf anderen Planeten in unserem oder in anderen Universen. Zu Letzteren zählen etwa die großformatigen Arbeiten Pluralismus VII, VIII und IX.

Warum Schnabelwesen bzw. Schnabelwelten? Schnabelwesen oder Schnabelmenschen waren für die Menschen schon immer symbolhaft und mystisch. Man denke etwa an den ägyptischen Gott Horus, der häufig als falkenköpfige Menschengestalt dargestellt wurde. Horus war einer der Hauptgötter im alten Ägypten, u. a. war er der Königs-, ein Welten- und Lichtgott, stand damit für die weltliche Ordnung.

Genesis of Life, Universe of Living Beings:

Bei der Serie Cosmic Dreams sind bereits Punkte und Punktraster und ihre Bedeutung erwähnt worden. In gewisser Weise sind die ›kleinen Wesen‹, von Carsten Ahrens, dem damaligen Direktor der Weserburg im Zuge der Ausstellung »Life Comes from Space – Universes and Space Time Journeys« (Der Eichenhof, Worpswede, 2012) als Amöben oder Wechseltierchen bezeichnet, eine Fortentwicklung derselben. Sie füllen ganze Bilder, schließen sich zu Haufen zusammen, die sich zwischen Strukturen bewegen: Materie beginnt sich zu ordnen, (Lebe-)Wesen entstehen aus dem Chaos, formieren sich, diffundieren durch die Universen, zwischen Planeten – lassen sogar feste kosmische Strukturen, Sterne, entstehen. Letzterer Aspekt findet sich in hier noch nicht präsentierten Arbeiten.

9/11 bzw. Neue Welten (2001–03):

Der Serienname, auch wenn die Bilder unterschiedliche Titel haben (Eagle Universe, Eagle Planet, Liberty), bezieht sich auf den Anschlag auf die Doppeltürme des World Trade Center in New York am 11. September 2001 – und damit auf die Konfrontation zwischen der Alten Welt (Europa und Vorderer Orient) und der Neuen Welt (USA), auf das Bestehen unterschiedlicher Weltsichten, Wertesysteme und Machtinteressen. Diese haben seit jeher immer wieder eine neutrale, offene und gleichberechtigte Betrachtung unterschiedlicher Denksysteme und Weltbilder verhindert. Das führten und führen uns die Angriffe der Terrorflieger auf das WTC und viele Kriege dramatisch vor Augen. Eine bildliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik fügt sich daher logisch in den Reigen der Arbeiten von Hans Rath ein.

Zu den bereits bekannten symbolhaften Elementen – vom Punktraster im großformatigen Bild Liberty I – über Spiralen, Pfeile, Planeten etc. kommen neue Elemente hinzu: die amerikanische Freiheitsstatue und der American Eagle. Nicht von ungefähr scheint der American Eagle in einigen Arbeiten die Freiheitsstatue anzugreifen: Inwieweit fordert die Neue Welt, fordern aber auch wir in Europa Angriffe nicht nachgerade heraus, sind mitschuldig …?

Britta Rath