Das Kreuz

Seit 1993 beschäftige ich mich experimentell mit der christlichen Ikonografie, in dem ich in meiner Malerei die Wirksamkeit einer durch sie geprägten Bildauffassung beim europäischen Betrachter in verschiedenen Aspekten überprüfe.

Die Fragen lauten:

Was kann Malerei im Zeitalter von Multimedia und Digitalfotografie und welche Bedeutung hat Langsamkeit im Bildprozess?

Da ich von der Fotografie komme, sehe ich meine Malerei als „Fotografie mit anderen Mitteln", oder auch als „gesteigerte Fotografie" an.

Ich bin dabei zu der Überzeugung gelangt, dass die wesentliche Bildsprache als Basiscode eigentlich jedem Rezipienten und jedem Bildschaffenden unvermindert verinnerlicht und durch seine lange Entstehungsgeschichte im Grundzug kaum noch einem Wandel unterworfen ist. Dadurch ist sie bei einem bewussten Umgang mit ihr ein außerordentlich wirksamer Kommunikator.

In jahrelangen Arbeitszyklen näherte ich mich diesen Mechanismen an und erarbeitete dabei folgende Versuchsreihen:

-Köpfe- 1993-99, -Das Zeichen- 1998-01, Beglaubigt 2000, -Hinter der Mitte- 2001-03. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit alter Choralmusik, ihrer Übertragung auf den Kontrabass, (Das verdeckte Kreuz, CD im Katalog) und ihre Liveperformance mit verschiedenen Duopartnern in Ausstellungskontexten.

DAS KREUZ ist Überschrift für ein Arbeitsprojekt, in dem der Eckpfeiler der symbolgeladenen sakralen christlichen Urformen als nicht vom Menschen, sondern von der Natur vorgegebene Geste so mit Malerei verbunden vorgelegt wird, dass beide Medien sich in ihrer überlieferten Funktion reiben, oder verstärken müssen.

Die Einfachheit undramatisierter Sujets auf simpler Leinwandbahn in eher kleineren Formaten, mit deutlich malerischem Duktus sind mir dabei aber so wichtig, wie die Anmutung von Authentizität einer scheinbar realen Wirklichkeit.

Manuel Garde, Juni 2000