Beglaubigt

Je realistischer ein gemaltes Bild ist, desto kritischer wird es vom Betrachter hinterfragt.

Dieser Effekt ist der Ausgangspunkt einer konzeptkünstlerischen Arbeit, in der zuerst ein fotorealistisches Selbstportrait als Passfoto reproduziert wurde und dann via Meldestelle und Bundesdruckerei in Form eines Reisepasses zurückkehrt.

Hier setzt der eigentliche Umgang mit dieser „amtlich beglaubigten Malerei" überhaupt erst an.

Alle Originalmaterialien werden als Original, oder augentäuscherisch gemaltes Original verarbeitet. Wie z.B. das für das „Mutterbild" verwendete Hemd, die von vornherein als wiederkehrendes Form- und Farbsignal eingeplante Krawatte, die Brille, die Fotos, Passfoto und der Ausweis selbst, als vergrößerte Farbkopie.

Die 10- teilige Bildserie beinhaltet außerdem ein „Reliquiar", in dem u.a. Originalmaterialien an die gottgleiche Verehrung menschlicher Spuren erinnern, und eine 10- teilige Serie kleiner, expressiv gemalter, dem Mutterbild nachempfundener „Identitäten", die mit der zustandsabhängigen Erscheinung eines Gesichtes spielt.

Ein improvisatorischer Diskurs über die vielfältigen Aspekte und Bedeutungen von Identität, Abbild, möglicher Verfälschung, Fotografie usw.

Das „selbstgemalte Passbild" wirft die interessante Frage nach der Sinnbestimmung von Malerei als Ausdrucksmittel heute in allgemeiner Weise auf, im besonderen aber die nach einer Aufgabenstellung für gegenständliche Malerei im Spannungsfeld zwischen Fotografie und Computergrafik.