Malerin

Bremen

E-Mail AnnCatherineHerrmann@haiss.net

Vita

1967in Tübingen geboren
1990–1994Jurastudium in Tübingen und Regensburg
1994-1998Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Dirk Skreber, Thom Barth, Max Kaminski und Andreas Slominski
Seither als freischaffende Künstlerin tätig.

Ein Interview mit Ann Catherine Herrmann

anlässlich der Eröffnung ihrer virtuellen Ausstellung.

Webmaster: „Du hast viele Bilder von engen Freundinnen und Freunden gemacht. Warum malst Du hauptsächlich Portraits von Deinen Freunden?"

Ann Catherine: „Es geht mir nicht alleine darum, ein Portrait zu machen, sondern im Besonderen um meine Freunde und um eine Farbidee, die ich umsetzen will. Ich könnte natürlich auch etwas anderes malen, um bestimmte Farbkontraste darstellen zu können. Aber meine Freunde sind mir sehr wichtig und ich male deshalb lieber sie."

Webmaster: „Was sagen denn die Portraitierten zum fertigen Bild?"

Ann Catherine: „Die Leute, die ich male, fühlen sich immer sehr getroffen. In ihrem Wesen und ihren Gefühlen. Dies obwohl sie gar nicht realistisch gemalt sind. Manche sind regelrecht erschüttert, wenn sie das erste Mal vor ihrem Bild stehen. Dabei geht es mir ja nicht in erster Linie um Gefühle, sondern um Farben und Komposition. Der erste Moment mit meinen Freunden ist sehr schön und spannend, wenn diese dann das erste Mal vor Ihrem Bild stehen.

Webmaster: „Malst du ausschließlich Deine Freunde oder auch andere Menschen?"

Ann Catherine: „Angefangen habe ich mit Selbstportraits. Dann habe ich lange Zeit ausschließlich meine Freunde gemalt. Danach begann ich einige Arbeiten über Menschen, die mich faszinieren. Aber auch dies waren Personen, die mir sehr nahe stehen, die mir vertraut erscheinen, obwohl ich sie nicht persönlich kenne. Man könnte wohl sagen, ich brauche eine eigene, gefühlsmäßige Basis für Menschen, die ich portraitieren möchte"

Webmaster: „Gibst Du darum den Arbeiten, etwa über Truman Capote oder Virginia Woolf Titel, die nur aus deren Vornamen „Truman" oder „Virginia" bestehen?"

Ann Catherine: „Ich käme niemals auf die Idee, etwas anderes als ihren Namen, den Vorname, als Titel zu wählen. Für mich sind das Freunde, ich duze sie auch in Gedanken."

Webmaster: „Wie muss man sich Deine Arbeit vorstellen, wie gehst Du vor?"

Ann Catherine:„Alle meine Arbeiten entstehen nach Fotos, die ich selbst aufnehme. Ich greife nur in Ausnahmefällen auf bereits vorhandenes Fotomaterial zurück. Und natürlich bei berühmten verstorbenen Menschen wie Truman oder Virginia, da stöbere ich dann in Büchern nach geeigneten Fotos."

Webmaster: „Nun ein Abstecher zu Deinen früheren Arbeiten. Du hast mir erzählt, dass Deine ersten „ernsthaften" Arbeiten kleine Figuren, vor allem ein katzenartiges Wesen, waren. Wie kamst Du darauf?

Ann Catherine: „Auf die Gefahr hin, dass Du mich für übergeschnappt hältst: Das erste ernst zu nehmende Katzenbild habe ich als Vision vor mir gesehen. Große katzenhafte Wesen, die immer auf mich zukommen. Ein Psychologe hat mir dann mal erklärt, dass das wahrscheinlich sehr frühe Wahrnehmungen von mir waren. Vielleicht als Säugling im Kinderwagen; vielleicht von Menschen, die sich auf mich zu bewegten."

Webmaster: „Dann waren Deine früheren Arbeiten nicht so sorgfältig geplant wie die später entstandenen Portraits?"

Ann Catherine: „Ich habe früher, noch ohne irgendwelche Ambitionen, schnelle kleine Zeichnungen mit Wachskreiden gemacht. Daraus habe ich dann später Figuren entnommen und vergrößert. Man kann also sagen, dass die Grundlagen intuitiv entstanden, das Bild jedoch bewusst angelegt ist. Und dahin will ich auch wieder zurück, was die Arbeitsweise betrifft. Wieder etwas wilder, weniger geplant, eine Mischung aus Intuition und Bewusstsein die sich und das Thema gemeinsam gestaltet."

Webmaster: „Während Deiner Ausbildung an der Akademie hast Du einige Adlerbilder gemacht. Warum dieses Thema?"

Ann Catherine:„Ohne Begründung, einfach weil mir das Tier gefällt. Außerdem konnte ich mich da so richtig austoben, mit Schnabelformen etc. Da ich technisch noch nicht sehr gut bin, muss ich ein Motiv ein paar Mal zeichnen oder malen, bevor es sich richtig gestaltet und so entstehen dann Reihen von Arbeiten, die mich in ihrem Ausdruck sicherer und freier werden lassen. Eines der Adlerbilder habe ich nach einem Traum gemalt. Ich träumte von drei weißen Adlern, die neben einem schwarzen sitzen und das habe ich dann gemalt. Es geht mir nicht um Inhalte, sondern einfach darum, ein gutes Bild zu machen. Ich habe zum Beispiel an der Akademie auch mal ein Bild mit einer Ratte gemacht; was teilweise zu einiger Verwunderung geführt hat. Die Ratte sitzt vor einem Kreis, der eine Sonne oder auch das Ende eines Tunnels sein könnte. Mir ging es nur um den Bildaufbau, um die Farben und Kontraste. Ich wurde dabei durch ein Zeitungsfoto angeregt. Auf diesem Foto sah man eine Ratte. Die Symbolik meiner Bilder, wenn es diese überhaupt gibt, interessiert mich wenig."

"Köpfe" in der Sparkasse

Anne-Catherine Kuhn zeigt Portraits und fängt Momente ein

Karlsruhe – Grüne Lippen, blaue Haare, roter Teint. Den Blick herausfordernd auf den Betrachter gerichtet oder träumend in sich gekehrt. Einen fernen Punkt fixierend oder gedankenverloren vor sich hinschauend. Kraftstrotzende verschwenderische Farbkompositionen, dann wieder fein nuancierte Schattierungen. Äußerst intim muten die Portraits der Malerin Anne-Catherine Kuhn an. Die Vielschichtigkeit jeder dargestellten Person, in Form ihres Portraits, ist auf das Gemälde gebannt. Eingefroren und doch äußerst lebendig scheinen die Gesichter den Betrachter in einen Dialog zu verwickeln. Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen.

Bis auf wenige Selbstportraits malt die Künstlerin hauptsächlich Freunde, engste Freunde. Sie entstehen jedoch nicht, wie man glauben könnte, in intimster Atelieratmosphäre. Kuhn malt nach Fotos. Mitunter schießt sie mehrere Filme, bis sie mit dem Ausdruck zufrieden ist, das Foto ihren konkreten Vorstellungen entspricht. Denn Kuhn überlässt nichts dem Zufall. alles ist fein säuberlich geplant. Von der Farbkomposition über die Haltung, die Mimik bis zur Platzierung auf dem Bild.

Lebendige Momentaufnahmen

Vom Fotorealismus ist sie allerdings weit entfernt. Sie hat auch nicht den geringsten Anspruch auf naturalistische Abbildungen. Vielmehr sind die Gesichter Dokumente innigster Freundschaften und Beziehungen. Ihre Zuneigung zu den gemalten Personen spielt eine überaus große Rolle. Und doch entzieht sie sich dem Wechselspiel, dem eigendynamischen Dialog, der im Atelier zwischen Maler und Modell entstehen kann. Ihre eigene Idee möchte sie umsetzen und keine, ihre Malweise beeinflussende Atmosphäre schaffen.

„Du hast genau meinen Gefühlszustand gemalt. Meine Lebenssituation eingefangen." Das ist das einstimmige Feedback ihrer Freunde. Sie beschäftigt sich eingehend mit ihnen. Macht sich ein umfassendes Bild und pickt dann Momente aus dem Leben ihrer Freunde heraus, in Form von Fotos. Momente, Gesichtsausdrücke, die für die Künstlerin stimmig sind und dem Betrachter keineswegs verborgen bleiben. Sei es bei den älteren Gemälden, die durch ihre monochromen Farbflächen, die starre, maskenhafte Zweidimensionalität bestechen oder die jüngeren Arbeiten, mit ihren farbenfrohen dreidimensionalen Gesichtern. Sie erschafft ihre Freunde neu, verwandelt sie – durch ihren Blick. Und doch sind sie ganz und gar sie selbst, nur in einen neuen Kontext gestellt.

Die Sparkasse scheint für diese Arbeiten genau der richtige Rahmen zu sein. Das „Menschliche" unter Menschen. Keine anspruchsvolle Kunst für einen kleinen, ausgesuchten Kreis. Keine „hyperintellektuellen Gedankenüberhänge". Eine Kunst für jedermann, da Bekanntes, Irdisches, Verständliches dargestellt ist. Gefühle werden ausgedrückt und somit findet der Betrachter einen Zugang zu den Arbeiten.

ka-news, 5. Juli 2002